Mein Weg

held

Krieger / Held – der spirituelle „Kampf“ in uns. Entwicklung von Stabilität, innerer Balance und Durchhaltevermögen – (m)eine (Über)Lebens-Asana.

Immer wieder werde ich gefragt, wie ich zu dem wurde, was mich heute beruflich und privat ausmacht. Hier also eine kleine Zusammenfassung meiner Stolperei durch’s pure Leben.

Ich habe relativ lange gebraucht, in diesem Leben meinen Platz zu finden. Ich hätte besser schon früher von der beeindruckenden Haltung des yogischen Helden wissen und diese entsprechend trainieren sollen, dann wären mir sicherlich einige Umwege erspart geblieben.

Nun, mein Eingangssatz mag vielleicht bitter und enttäuscht anmuten – ganz so dramatisch ist es dann aber doch nicht. Unwissenheit und Ignoranz sich selbst gegenüber führen nicht selten in das Leid. Reifung benötigt nun einmal seine Zeit. Immerhin aber kann ich von mir selbst behaupten, dass mir durchlebte und entknotete Irrungen und Wirrungen meist extrem stark beeindruckende Lehrmeister darstellten auf den bunt bewegten Pfaden meines persönlichen Abenteuers Leben! Und mein Weg ist ja schließlich auch noch nicht zu Ende erzählt. Da sind noch einige Wege offen, Blumen an deren Rändern zu pflücken und vermutlich auch Steine aus dem Weg zu räumen oder – wie  Goethe himself einst schrieb – aus ihnen Schönes zu bauen. Ich bin jedenfalls deutlich nachsichtiger und liebevoller im Umgang mit mir selbst als noch vor einiger Zeit. Das ist schließlich auch eine hilfreiche, erfreuliche Errungenschaft für weitere zahlreiche Wanderungen durch Zeit und Raum und dem Raum hinter dem Raum! 

Jeder erfährt seine ganz eigenen Herausforderungen mit dem Leben, mit kleinen und größeren bis hin zu den ganz großen schicksalhaften Begegnungen, die uns der Strom des Lebens vor die Füße, manchmal sogar bis über die Nase spült – ganz im Sinne des Ayurveda, der da lehrt, das Gute wie das Schlechte, alles das gehört zum Leben dazu und formt uns zu dem, was und wer wir sind.

Aber – was und wer bin ich eigentlich? Bin ich bereits ein Mensch oder bin ich auf dem Weg dahin, einer zu werden, unfertig wie ein noch nicht ganz abgeschlossenes Lebensjahr?

In diesem, meinem kleinen Leben haben sich immerhin innerhalb weniger Jahre  – gemessen an dem Erdenalter – erdrutschartig Perspektiven verschoben. Aber von Anbeginn meines Denkvermögens liebte ich das Pure, die Natur, Klänge, Musik, gute Düfte, Harmonie in allen Dingen (Balance), Freiheit, Gerechtigkeit, Kunst und Kreativität. Mein ausgeprägter Sinn für Ästhetik machte mir obendrein das Leben auch nicht viel leichter, denn ein Kind der Sechziger und Siebziger des vorherigen Jahrhunderts hatte ganz schön was auszuhalten im Hinblick auf Farben, Klang, Harmonie und Co. … Es war mir persönlich in vielerlei Hinsicht um einiges zu grell!

Meine Generation nahm die berühmte 68ger Bewegung auf und führte diese hin zu einer völlig neuen politischen Farbe – es wurde grün – grüner – grünest an buntem Strick, Sonnengeblümtem, viel müsligekörntem Idealismus und Mut zur Veränderung – ein nachhaltiges Rezept für eine gesunde Ökologie.

Ende der 70ger gehörte ich zu den eher späten Gründungsmitgliedern eines Kommunikationszentrums im Süden Hamburgs und zog darüber hinaus als Rocksängerin mit politischen Texten mit meiner damaligen Band durch Hamburgs Musikkneipen. Ich erinnere noch den Duft der bunten Gemüsevielfalt des Wochenmarktes unseres lebhaften Stadtteils, wenn ich mit Leuten meiner WG einkaufen war, wir dort zufällig auf weitere Freunde trafen, um spontan gemeinsam neue Rezepte zu erfinden in unserer einfachen aber gemütlichen Küche. Irgendjemand zupfte für gewöhnlich an einer Klampfe (Gitarre) und wir sangen und summten dazu. Es herrschte Aufbruchstimmung im positiven Sinne.

Anfang der 80ger führte mich mein Weg in die Weiten Schleswig-Holsteins. Mitte der 80ger erwartete ich mein erstes Kind. Drei Wochen nach dessen Geburt dann der große Schock – Tschernobyl! Wenige Monate später war ich Gebietsbetreuerin  für den damals von einer durch kontaminierte Lebensmittel relativ hoch verstrahlten Mutter in Kiel gegründeten Verein „Eltern für unbelastete Nahrung“ und leistete mit Unterstützung unseres damaligen wissenschaftlichen Beirats, u.a. einem Toxikologen und einem Radiologen der Uni zu Kiel, Öffentlichkeitsarbeit. Ein Doktorand verfasste seinerzeit seine Arbeit zum Thema inkorporierte Strahlung. Im Zuge eben dieser Arbeit wurden Gebietsbetreuer/innen über die Uni mit Messwertlisten sämtlicher Lebensmittel versorgt, die wir an Mitglieder des Vereins neben Kräutern der Vorjahresernte und unbelastetem Magermilchpulver weiterleiteten. Mein Baby im Didymostuch um den Körper gewickelt, organisierte ich Informationsabende, Infotische in unserer damaligen Einkaufsstraße und Podiumsdiskussionen mit geladenen Politikern und Wissenschaftlern, obwohl ich eigentlich Frieden, Ruhe und Harmonie in grüner Umgebung angestrebt hatte … Erschreckend fand ich, dass wir einfachen „Muttis“ besser über die Folgen des Fallouts Bescheid wussten, als all die Politiker, mit denen wir oberflächlich in Kontakt standen.  

Ich kannte alle möglichen Transferfaktoren der damals freigesetzten Nuklide in die Nahrung, befasste mich mehr oder weniger wissenschaftlich bis tief in die Nächte mit den Folgen des radioaktiven Fallouts und hatte mich als stillende Mutter nahrungsmitteltechnisch ganz neu aufzustellen. So drang ich generell immer tiefer in die Materie der vollwertigen Ernährung, aber auch der alternativen Heilkunde ein und fand mich schließlich in einem Heilpraktikerstudium wieder.

Ich ließ mich dennoch nicht davon abhalten, ein Geschwisterchen für meine Tochter zu gebären. Im Sommer 1988 wurde mein Sohn geboren. Neben all dem Jazz des Lebens nahm ich bei diversen Opernsängerinnen eine private Ausbildung zum klassischen Sopran auf – Musik war und ist bis heute Seelenfutter und Heilung für mich, denn viele Jahre war ich alleinerziehend mit zwei Kindern, einem großen Hund, einem Pferd und verdiente mein Geld für einige Jahre als Leiterin eines Kinderhortes in einer privaten Schule.

Diverse Weiterbildungen folgten über die Jahre, u.a. in Ayurveda und Yoga.

Ganz homogen also schubste mich mein persönliches Schicksal in meine heutige Berufung hinein. Ich hätte mir niemals freiwillig einen atomaren Unfall gewünscht, um beruflich mit Ernährung und Gesundheitsprävention zu tun zu haben und hoffe inständig, ein solcher bleibt der Welt auch in Zukunft erspart. Dennoch formte mir mein teils „strahlender“ Weg daraus eben diesen breit gefächerten Beruf. Das eben ist Leben!